Die Geschichte des Kugelschreibers

Auszug aus dem Flyer 2010 unseres kleinen Museums

Angeblich geht die Geburtsurkunde des Kugelschreibers auf einen Amerikaner und einen Briten zurück. Der Engländer Alonzo Townsend Cross ließ sich ein entsprechendes Schreibgerät 1873 patentieren. Doch die Erfindung wurde nie in Serie produziert und geriet weitgehend in Vergessenheit. Ähnlich erging es dem Amerikaner John l. Loud im Jahr 1888 . Sein "Pen" basierte auf dem Zusammenspiel von fünf Kugeln und fand ebenfalls keine Beachtung. Es sollten noch einmal 50 Jahre vergehen, ehe der Kuli endlich seinen Siegeszug antreten konnte.

Als tatsächlicher Erfinder des heutigen Kugelschreibers gilt Laszlo Josef Biro, im deutschen Sprachtum meist Ladislaus Biro genannt. Der 1899 geborene Ungar war vielseitig begabt. Er arbeitete unter anderem als Versicherungsfachmann, Rennfahrer und Journalist. Zusätzlich betätigte er sich als Erfinder und Konstrukteur zahlreicher Neuerungen. Meist wird mit ihm jedoch nur die Geschichte des Kugelschreibers in Verbindung gebracht. Finanziell profiterte Ladislaus Biro vom Siegeszug seiner Erfindung übrigens nur in bescheidenem Maße.
Schlimmer noch: Als der Tüftler 1985 starb, war seine persönliche Leistung weitgehend in Vergessenheit geraten. Zur gedanklichen Initialzündung bei der Entwicklung des Kugelschreibers kursiert eine Geschichte.: Angeblich verlor des Biros Tochter beim Spielen eine Murmel. Diese durchquerte eine Pfütze und hinterließ anschließend auf dem Boden eine gut sichtbare Spur. Biro beobachtete den Vorgang und entwickelte daraus das technische Prinzip des Kugelschreibers. Wie auch immer der Erfinder auf seinen genialen Einfall kam: Fakt ist, dass er sich 1938 einen einigermaßen funktionierenden Kugelschreiber patentieren ließ, den sogenannten Go-Pen. Geholfen hatte ihm bei der Entwicklung sein Bruder György, ein ehemaliger Chemiker, denn Ladislaus Biro benötigte eine Tinte, welche nicht eintrocknete und gleichzeitig feste sowie flüssige Bestandteile enthielt. Unter anderen Umständen hätte Ladislaus Biro nuneine ähnliche Erfolgsstory verzeichnen können wie einige Jahzehnte später ein gewisser Bill Gates. Doch die Zeichen der Zeit standen gegen den Erfinder. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft emigriete er im Dezember 1938 . Zunächst laborierte er kurzzeitig in Frankreich weiter.
Als die deutsche Wehrmacht auch da einmarschierte, setzte sich Biro über Spanien nach Argentinien ab. Dort gelang es Biro mit Hilfe seines Bruders schließlich, den Kugelschreiber zu vervollkommnen. 1943 wurde dem Erfinder darauf ein neues Patent erteilt. In Buenos Aires begann Biro nun mit der industriellen Fertigung des Kugelschreibers. Doch bereits ein Jahr später verkaufte er seine Unternehmensanteile an einen Geldgeber: Henry Georg Martin. Dieser britische Geschäftsmann sorgte dafür, dass die Besatzungen amerikanischer und englischer Kampfflieger mit den neuen Schreibutensilien ausgerüstet wurden. Der Vorteil lag darin, dass Kugelschreiber auch unter den Druckverhältnissen in großer Höhe nicht klecksten. Damit begann der Siegeszug des revolutionären Schreibgerätes, welches nun weltweit produziert wurde, teilweise sogar mit dem Werbeslogan: "Schreibt auch unter Wasser!" Großen Anteil an der Popularität des neuen Produktes hatte auch ein gewisser Marcel Bich. Der Franzose erwarb 1950 die Patentrechte und produzierte einen preisgünstigen Kugelschreiber, dessen Markenname inzwischen zur Bezeichnung für einen großen Konzern wurde: BIC